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Tagesausgabe

ADHS im Alter: Wie sich das Aufmerksamkeitsdefizit zeigt

ADHS ist nicht nur eine Kinderkrankheit. Ärztin Dr. Schmidt erklärt, wie sich Aufmerksamkeitsdefizit bei älteren Menschen äußert und welche Symptome auftreten können.

1. Juli 2026
3 Min. Lesezeit

ADHS ist oft ein Begriff, der mit Kindern in Verbindung gebracht wird. Aber wusstest du, dass auch ältere Menschen davon betroffen sein können? Die Ärztin Dr. Schmidt erklärt, wie sich das Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Senioren zeigt und warum es wichtig ist, diese Diagnose ernst zu nehmen.

Viele denken wahrscheinlich, ADHS ist etwas, das man mit dem älter werden einfach hinter sich lässt. Das ist aber nicht ganz richtig. Bei einigen bleibt es ein Leben lang bestehen, auch ohne dass es diagnostiziert wird. In der Tat, viele ältere Erwachsene haben nie Hilfe gesucht oder verstanden, dass ihre Probleme mit der Aufmerksamkeit und Impulsivität tatsächlich ADHS sind.

Dr. Schmidt erklärt, dass die Symptome bei älteren Menschen oft subtiler ausfallen. Es fehlt der typische „Zappelphilipp“-Eindruck, den man bei Kindern sieht. Stattdessen gibt es häufig Schwierigkeiten, den Fokus zu halten oder sich an Gespräche zu beteiligen. Man könnte sagen, sie sind eher „verträumt“ oder wirken desinteressiert, was manchmal fälschlicherweise als Alterserscheinung abgetan wird.

Ein weiteres bemerkenswertes Symptom ist die Vergesslichkeit. Ältere Menschen haben oft viele Dinge im Kopf — von Medikamenteneinnahme bis zu alltäglichen Aufgaben. Wenn da noch ADHS im Spiel ist, kann das den Alltag erheblich erschweren. Du könntest dir vorstellen, dass es frustrierend ist, ständig Dinge zu verlieren oder sich nicht an wichtige Termine zu erinnern.

Dr. Schmidt betont, dass das Problem oft auch die emotionale Gesundheit beeinflusst. Menschen mit unbehandeltem ADHS können unter Angstzuständen oder Depressionen leiden. Sie fühlen sich vielleicht leicht überfordert oder sind oft unzufrieden mit sich selbst. Das kann dazu führen, dass sie sich von Freunden und Familie zurückziehen, was die Situation noch verschlimmert.

Ein entscheidender Punkt, den Dr. Schmidt anspricht, ist, dass viele ältere Menschen in ihrer Jugend nicht die Unterstützung erhalten haben, die sie gebraucht hätten. Frühere Generationen hatten nicht das gleiche Bewusstsein für psychische Erkrankungen. So kann es sein, dass viele im Erwachsenenalter einfach gelernt haben, mit ihren Herausforderungen zu leben, ohne jemals über eine Diagnose nachzudenken.

Die Diagnose von ADHS im Alter kann schwierig sein. Es gibt oft Überschneidungen mit anderen Erkrankungen, wie zum Beispiel Demenz oder Depression. Da sind die Symptome nicht immer klar. Die Ärztin empfiehlt, bei Verdacht auf ADHS nicht selbst zu diagnostizieren oder zu verurteilen. Stattdessen sollte man professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Ein erfahrener Arzt oder Psychologe kann helfen, die Symptome korrekt einzuordnen und gegebenenfalls eine passende Behandlung zu finden.

Aber was passiert, wenn die Diagnose gestellt ist? Die gute Nachricht ist, dass es viele effektive Wege gibt, um ADHS zu behandeln, auch im Alter. Medikamente, die oft bei ADHS eingesetzt werden, können auch älteren Menschen helfen, sich besser zu konzentrieren und die Kontrolle über ihre Impulse zu gewinnen. Außerdem gibt es Verhaltenstherapien, die spezifisch auf die Bedürfnisse älterer Patienten zugeschnitten sind.

Es ist auch wichtig, Unterstützung im Alltag zu finden. Ein strukturiertes Umfeld kann große Unterschiede machen. Dr. Schmidt empfiehlt, Routinen zu schaffen, um Gedächtnis und Aufmerksamkeit zu stärken. Selbst einfache Dinge wie To-Do-Listen oder das Organisieren von täglichen Aufgaben können viel bewirken.

Die Erkenntnis, dass ADHS auch im Alter eine Rolle spielt, ist ein wichtiger Schritt. Es nimmt vielen Betroffenen die Last des Unverstandenseins und zeigt, dass Hilfe und Veränderungen möglich sind. Für Angehörige und Freunde ist es entscheidend, Verständnis zu zeigen und zu unterstützen. Denn oft sind es die kleinen Schritte, die zu einem erfüllteren Leben führen können.

Lass dich nicht von Vorurteilen abschrecken. Wenn du das Gefühl hast, dass du oder jemand in deiner Umgebung mit diesen Symptomen zu kämpfen hat, ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen. ADHS ist keine Schwäche, sondern eine Herausforderung, die sich bewältigen lässt. Und das Alter muss nicht das Ende jeder Hoffnung bedeuten.